Klosterkirche Riesa

"Ein Riese sey einst auf seiner Wanderschaft hierher kommen, und habe hier den in seinen Schuhen gesammelten Sand ausgeschüttet, deßen soviel gewesen, daß davon ein kleiner Hügel geworden. Ein solcher wird über Riesa vor dem Flecken annoch gezeigt, auf diesen Sandhügel steht ein Birn-Baum. Und von diesem Riesen soll das Städgen den Nahmen haben.. (si fabula vera)"


So überliefert uns der 1735 geborene Historiker und Pfarrer in Boritz Johann Friedrich Ursinus die Sage der Entstehung von Riesa. Die Ansiedlung des von Slawen bewohnten Gebietes und die Entwicklung dieser Ortschaft sind eng mit der Existenz einer Klosterkirche seit ca. 900 Jahren bis in unsere Tage verbunden.

In die Zeit zwischen 1111 und 1119 fällt die Gründung und der Bau eines Klosters beim heutigen Riesa, denn bereits 1119 spricht man in einer Urkunde von einem Kloster "Reszoa" (Riesa), in dem "Mönche gehalten werden" sollen. Gleichzeitig errichtete man natürlich eine Kirche bzw. Kapelle, die sich wahrscheinlich im Nordteil des Klosters befand. Als ein Brand im Jahre 1243 das Benediktinerkloster schwer beschädigte, wurde eine Spendensammlung zum Wiederaufbau durchgeführt. Dabei nennt man die Klosterkirche "St. Marien zu Riesa", welche von 1244 bis 1261 am heutigen Platz im gotischen Baustil wieder aufgebaut wurde. Mehrfache Zerstörungen durch Brände (1424-1430, besonders bei Husiteneinfällen) veränderten oft das Bild der danach auf- bzw. umgebauten Klosteranlage und Kirche. Jedoch können wir heute mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß der größte Teil der Grund- und Außenmauern zu den ältesten Bauteilen aus der Zeit um 1261 gehört.

Die Kirche besteht aus einem langgestreckten, rechteckigen Schiff, einem etwas schmaleren Chor, dem an der Westwand liegenden Turm und den Nordbauten. Im Zuge größerer Umbauten - die Trinitatiskirche wurde 1897 auf Grund der zu klein gewordenen Klosterkirche errichtet - wurden 1909 die Emporen entfernt und die jetzigen Rundbogenfenster eingesetzt. Ebenfalls bei dieser Renovierung errichtete man einen neuen Altar mit dem alten Altarbild. In der Zeit von 1535 bis 1537 entstand der mit einem Sternennetz-Gewölbe überdeckte Chor.

Der Kirchturm mit seiner Barockhaube ist seit 1745 in dieser Form erhalten geblieben. Bis in das 16. Jahrhundert scheinen zwei kleinere Türme an der westlichen Giebelwand der Kirche geziert zu haben. Vom Geläut, das die Menschen des alten Riesa zu Andacht und Gottesdienst rief, wissen wir sehr wenig. 1866 entfernte man die drei Glocken von 1433, da eine gesprungen war. Das neu gegossene Geläut wurde aber während des 1. Weltkrieges ebenfalls eingeschmolzen. Heute befindet sich lediglich eine kleine Glocke im Turm mit der eingegossenen Jahreszahl 1924.

Eine besonders wertvolle Sehenswürdigkeit ist der Altar mit dem geschnitzten Altarbild von 1609. Er stellt das letzte Mahl Jesu mit seinen zwölf Jüngern vor seiner Hinrichtung bei Jerusalem durch die Römer dar. Diese Holzschnitzarbeit von Christoph Reichert aus Belgern wurde bemalt und teilweise mit Gold überzogen.

Über 370 Jahre ist der Taufstein alt, der sich an der Nordwestseite des Chores befindet. Die Reliefs an den Außenseiten stellen alte Familienwappen sowie biblische Motive zum Thema "Wasser" dar. Als Blumenschale diente ein weiterer Taufstein viele Jahre im Klostergarten, der leider durch Umwelteinflüsse stark beschädigt ist. Inzwischen konnte der aus der Klosterzeit stammende Taufstein gesichert werden.

Die Orgel im Westbereich des Kirchenschiffes wurde 1848 durch den Dresdener Orgelbaumeister Friedrich Nikolaus Jahn erbaut. Sie besitzt 1460 Pfeifen, 26 klingende Stimmen, 2 Manuale und ein Pedal. Den guten Klang dieser unter Denkmalschutz stehenden Orgel kann man regelmäßig zu den Gottesdiensten und Orgelkonzerten bewundern.

In der Klosterkirche sind uns drei Grüfte bekannt und zugänglich. Sie dienten den jeweiligen Besitzern des nach der Reformation zum Rittergut umgebauten Kloster als Bergräbnisstätten. Dabei ist interessant, das teilweise die Körper der hier Beigesetzten in zwei Grüften nicht verwest sind, sondern zu lederartigen Mumien wurden. Diesen Vorgang bezeichnet man als "natürliche Mumifikation". Er beruht auf dem Entzug sämtlicher Feuchtigkeit innerhalb kurzer Zeit infolge Austrocknung. Im Jahre 1811 bemerkte man diese Erscheinung. Eine amtliche Untersuchung von verschiedenen Fachleuten fand 1828 in der Gruft unter dem Altar statt. Seit 1973 werden diese Begräbnisstätten von einer kleinen Gruppe der Kirchgemeinde instandgesetzt und erhalten, um sie von Zeit zu Zeit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Betrachtet man heute unsere Klosterkirche, so sehen wir ein Bauwerk, das in den Jahren von 1992 bis 1995 von außen und von 2009 bis 2011 innen grundlegend renoviert und erneuert wurde.

In den Wintermonaten finden hier an jedem Sonntag Gottesdienste der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Riesa statt -  ein Zeichen alter Verbundenheit mit diesem Gotteshaus. Auch Abendgottesdienste, Trauungen und Taufen werden gern hier gefeiert. Darüberhinaus sind regelmäßige Chor-, Instrumental- und Orgelkonzerte zu hören. Besonders die jungen Leute der Gemeinde nutzen die alten Gemäuer für ihre Jugendveranstaltungen und Konzerte.

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